Haftung Sportunfälle

Haftung Sportunfall

In Deutschland gab es im vergangenen Jahr über 24 Mio. Mitglieder in Sportvereinen. Während die einen in geselliger Runde etwas Gymnastik machen, lieben die anderen den Wettkampf. Schnell geht es dort im Training bereits um alles. Aber wie sieht es im Falle einer Verletzung aus, kann ich Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld verlangen?

Kurzgesagt, muss man (vermutlich) alles akzeptieren, was vom Regelwerk abgedeckt ist, aber ab wann findet das Regelwerk in diesem Zusammenhang überhaupt Anwendung?

In der letzten Zeit gab es zwei interessante Urteile, die den Haftungsrahmen gut aufzeigen.

Fall 1: Keine Haftung des Trainers

Das Amtsgericht München wies durch Urteil vom 28.07.2020 (Az. 161 C 20762/19) die Klage eines zum Spielzeitpunkt noch 17jährigen Münchener Schülers gegen seinen Basketballtrainer auf Zahlung von Schmerzensgeld und Schadensersatz ab. Zum Abschlussspiel wechselte der Trainer sich selbst ein und bei einem Luftzweikampf traf er den Kläger mit dem Ellenbogen im Gesicht. Infolgedessen erlitt der Kläger eine Schneidezahnverletzung, durch welche er sich drei Monate mit Flüssignahrung ernähren musste.

Während der Kläger behauptet, der Trainer sei regelwidrig vorgegangen, behauptet der Trainer er habe sich in der Situation kurzfristig umentschieden und doch einen Pass gespielt und den Kläger dabei getroffen. Er betont aber, dass es sich um eine natürliche Bewegung gehandelt habe.

Der zuständige Richter begründete sein Urteil u.a. so:

Keine Haftung des Trainers

„Eine Beweisaufnahme konnte hier unterbleiben, da das Gericht zu der Überzeugung gelangt ist, dass der Kläger selbst bei der Zugrundelegung seiner Sachverhaltsdarstellung keinen Schadensersatzanspruch gegen den Beklagten (…) hat. (…)

Durch die Teilnahme an Sportarten, bei denen Körpereinsatz gegen den Mitspieler in gewissen Grenzen zur Eigenart des Sports gehört, setzt sich der Teilnehmer der spieltypischen Verletzungsgefahr bewusst aus. (…) Einen ihm dann entstehenden Schaden kann er nicht auf einen anderen, etwa einen Gegenspieler, abwälzen; jeder Spieler ist beim „Kampf um den Ball“ potenzieller Verletzter als auch Verletzter. (…) Diese Grundsätze greifen auch noch bei gewissen Regelverstößen. (…) Es ist nicht zu verkennen, dass die Eigenart des Basketballspiels auch als „Kampfspiel” zu charakterisieren ist, bei dem es beim Kampf um den Ball zu unbeabsichtigten körperlichen Berührungen kommen kann. (…) Trifft der Sachverhaltsvortrag des Klägers zu, so liegt allenfalls ein geringfügiger Regelverstoß des Beklagten vor. Ein grobes Foul kann das Gericht hier nicht erkennen. (…)

Der Sprung zum Ball bei einer Rebound-Situation geht üblicherweise mit der Sicherung des Balles einher. Selbst wenn der Beklagte hier regelwidrig seinen Ellbogen zur Sicherung des Balles zur Seite geschwungen hätte, kann im Hinblick auf den Sachvortrag des Klägers nicht von einem unsportlichen Verhalten des Beklagten ausgegangen werden. (…) Dass es in der Situation zu der Verletzung des Klägers gekommen ist, ist besonders unglücklich, stellt sich jedoch als die Verwirklichung eines Risikos dar, das der sportliche Wettkampf eines Basketballspiels mit sich bringt. (…) Es muss einem ehrenamtlichen Sporttrainer möglich sein, auch selbst in Trainingsspielsituationen mit seiner Mannschaft mitzuspielen. Zwar könnte eine übertriebene Härte im Spiel mit Heranwachsenden, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, als sorgfaltswidriges Verhalten gewertet werden, jedoch war dies hier nicht zu erkennen.“

(Quelle: Pressemitteilung des AG München vom 05.02.2021)

Fall 2: Obacht beim Warm-Up

fußballtraining

Die Klägerin wollte an einem Nachmittag im Januar ihre Tochter vom Fußballtraining abholen. Das Training der Kindermannschaft war bereits beendet, die Altherrenmannschaft, deren Trainingszeit sich anschloss, machte sich in der Halle warm. Die Klägerin wartete im Bereich des Fußballtores in der Halle auf ihre Tochter. Der Beklagte, Mitglied der Altherrenmannschaft, schoss während des Aufwärmtrainings in Richtung Tor. Er traf dabei die Klägerin ins Gesicht.

Das Landgericht Oldenburg wies die Klage der Frau ab. Im Rahmen des Hallensports – auch beim Aufwärmen – sei nicht zu vermeiden, dass Bälle auch einmal fehlgingen. Die Klägerin hätte erkennen können, dass die Altherrenmannschaft bereits mit dem Spiel begonnen habe und ihr Aufenthalt am Tor daher gefährlich gewesen sei. Gegen dieses Urteil wendete sich die Klägerin mit ihrer Berufung.

Das Oberlandesgericht gab der Frau teilweise recht:

Im konkreten Falle sei eine Haftungsquote von 70% zu 30% zu Gunsten der Klägerin gerechtfertigt, so der Senat. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass die Frau von einem festen, also mit einiger Kraft ausgeführten, Schuss getroffen wurde – und der Beklagte den Ball nicht nur in Richtung Tor gelupft hatte – und dass sie durch den Schuss erheblich verletzt wurde. Der Beklagte habe fahrlässig gehandelt. Der Beklagte habe sich nicht im Rahmen eines erlaubten Risikos bewegt. Die Altherrenmannschaft sei noch beim Aufwärmtraining gewesen, das eigentliche Training habe noch nicht begonnen. Der Beklagte hätte daher auf die anwesenden Personen in der Halle Rücksicht nehmen müssen. Der Klägerin sei aber ein Mitverschulden von 30% zuzurechnen.

Ein solches Mitverschulden komme in Betracht, wenn jemand die Sorgfalt außer Acht lasse, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens anzuwenden pflege. Die Klägerin hätte sehen können, dass die Altherrenmannschaft bereits mit dem Ball spielte. Es habe keine Notwendigkeit bestanden, sich gerade in der Nähe des Tores aufzuhalten.

(Quelle: Pressemitteilung des OLG Oldenburg vom 25.03.2021)

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