Unterlassene Hilfeleistung beim Tischtennis-Training

Der BGH hat mit Urteil vom 19. Januar 2021, Az. VI ZR 188/17 festgelegt, welche Anforderungen an den Haftungsmaßstab für unterlassene Hilfeleistung beim Tischtennis-Training zu stellen sind. Der 15-jährige Kläger brach im Rahmen eines Kreiskadertrainings mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand zusammen.

Die Beklagten brachten den Kläger zwar in eine stabile Seitenlage, führten jedoch keine Wiederbelebungsmaßnahmen durch und verständigten erst den Notarzt, nachdem vergeblich nach Medikamenten etwa in Form eines Asthmamittels gesucht wurde.

Der Kläger erlitt aufgrund des Sauerstoffmangels eine Hirnschädigung und ist schwerst pflegebedürftig.

Vertieftes medizinisches Wissen und praktische Erfahrung können nicht vorausgesetzt werden

Der Senat stellte fest, dass bei einem Tischtennistrainer, der an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen hat, nicht dieselben Maßstäbe anzuwenden seien wie bei einem berufsmäßig auf Grundlage einer fundierten notfallmedizinischen Ausbildung handelnden Unfallhelfer.

Es ist insofern zu berücksichtigen, dass die notfallmäßige Erstversorgung nicht durch einen ausgebildeten Rettungssanitäter oder Arzt erfolgte. Bei einem Tischtennistrainer könne vertieftes medizinisches Wissen und praktische Erfahrung nicht vorausgesetzt werden. Das resultiert vornehmlich daraus, dass Tischtennis grundsätzlich als eine eher ungefährliche Sportart zu qualifizieren ist.

Hinsichtlich einer etwaigen Haftung der Beklagten sei die Frage zu beantworten, ob die Beklagten durch ihre Erste-Hilfe-Ausbildung überhaupt in der Lage waren, die Notwendigkeit sofortiger lebensrettender Maßnahmen durch beispielsweise eine Herz-Druck-Massage zu erkennen. Weiterhin sei ausschlaggebend, dass die Trainer gerade nicht deshalb schützenswert seien, weil sie sich eigenverantwortlich zur Hilfeleistung entschlossen. Es oblag ihnen durchaus nach ihrer fachlichen und medizinischen Ausbildung mögliche Rettungsmaßnahmen zu ergreifen, unter das auch das unverzügliche und rechtzeitige Benachrichtigen eines Notarztes zu subsumieren ist.

An diesem Urteil des BGH stechen insbesondere die Ausführungen zu verringerten Anforderungen an Erste-Hilfe-Maßnahmen von Trainern heraus.

Dabei ist positiv anzumerken, dass die vorliegende Notsituation unter Berücksichtigung der jeweiligen Ausbildung der Trainer aufgrund der Erheblichkeit des Falles entsprechend gewürdigt und somit allgemeine Grundsätze zur Anwendung auf konkrete Einzelfälle geschaffen wurden.

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